Sities Geschichte

- Sities, die Übermütige -

Sities playing

Name:                             SITIES

 

Geschlecht:                 weibl. Tier

 

Geburtsdatum

(geschätzt):                  11. Jan. 2010

 

Gerettet wann:          22.3.2010  

                                            (d.h. im Alter von 

                                             ca. 1 ½ Monaten)

 

Lebt jetzt wo:              Ithumba

                                             Tsavo East 

                                             National Park


Das Mgeno Ranch Hauptquartier in der Tsavo Conservation Area hatte am 22. März 2010 einen ungewöhnlichen Besucher: Es war ein kleiner schreiender Elefant, der verzweifelt Gesellschaft suchte und mit seinem Erscheinen das Personal so verschreckte, daß es in Deckung ging, weil es damit rechnete, daß die Mutter des Elefantenbabys jederzeit auftauchen würde, um es zurückzuholen. Schließlich wagten sich die Leute aber wieder heraus. Ihr plötzliches Erscheinen erschreckte wiederum das Elefantenkind so, daß es ein Stück wegrannte. Nachdem es aber so verzweifelt Anschluß suchte, kam es bald zurück, und weil es zu jung war, um Furcht zu kennen (ca. 1 ½ Monate alt), konnten die Angestellten es an einem Baum festbinden und Dr. David Ndeereh von der Mobilen Tsavo-Tierarzt-Einheit des Trusts anrufen, der wiederum die Elefantenpfleger in Voi zu Hilfe rief.

Der kleine Elefant reagierte ganz positiv auf die Ankunft der Pfleger, die ihm sofort Milch und Rehydrationswasser gaben, bevor sie ihn in ihren Pick-up luden und zu den Voi-Stockades mitnahmen. Dort angekommen folgte er den Keepern auf den Fersen überallhin bis das Rettungsflugzeug kam, um ihn in die Nairobi Nursery zu fliegen.

 

Man vermutet, daß das Baby Opfer von Wilderei geworden ist. Als Grund für die Verwaisung käme aber auch Mensch-/Tier-Konflikt in Frage, da es auf der Ranch Viehherden und Hirten gibt.

Der Elefant ist ein wunderschönes weibliches Tier und wurde zuerst Mgeno (nach ihrer Herkunft von der Mgeno Ranch) genannt, aber später umbenannt in Sities, und zwar aus folgendem Grund:

Sities kam an einem sehr glücklichen Tag in der Nursery an, nämlich an dem Tag, an dem in der Artenschutzkonferenz CITES in Doha zugunsten der Elefanten gewählt wurde, indem man Tansania und Sambia die Erlaubnis für den beantragten Elfenbeinabverkauf verweigerte. Man ging davon aus, daß ein erneuter Abverkauf von Elfenbein die Wilderei noch mehr verstärken würde, genauso wie es vorher der Abverkauf von Südafrikas Elfenbein getan hatte. Außerdem stammte das meiste des kürzlich gefundenen, geschmuggelten Elfenbeins aus Tansania und Sambia. So war man über die Entscheidung von CITES sehr froh, und um dieses positive Ereignis zu feiern, wurde Mgeno dann in "Sities" umbenannt (genauso ausgesprochen wie "CITES", aber zur Unterscheidung in anderer Schreibweise).

Mit der Ankunft von Sities waren es insgesamt 21 Elefanten in der Nursery.

 

Sities war bei guter Gesundheit, nahm die gebotene Milch vertrauensvoll an und wurde von Dida und Suguta bei ihrem ersten mittäglichen Schlammbad bewacht, wo sie glücklich mit der roten Erde spielte. Sie folgte den Keepern auf dem Fuß wie alle anderen Nursery-Elefanten auch.

 

Eine Woche nach Sities Ankunft in der Nursery rollte sie schon vergnügt im Schlammbad herum. Dort sah sie zum ersten Mal einen Fußball, den sie mit ihrem Kopf zu kicken versuchte. Prompt fiel sie hin, und sofort waren Suguta und Tumaren bei ihr, um sie zu trösten.

 

All die älteren weiblichen Tiere rissen sich darum, sich um Sities zu kümmern, angefangen bei Ndii bis über Olare, Suguta und Dida. Schließlich war es Suguta, die Sities komplett in ihre Obhut übernahm. Sie erlaubte nur Tumaren kurzen Zugang zu diesem Baby. Ndii blockte Sabachi, den frechen Bullen, vom Zugang zu Sities ab, da sie wohl befürchtete, er würde grob zu ihr sein.

Am 13.4.2010 konkurrierten die älteren Elefantenkühe wieder einmal um die Aufmerksamkeit von Sities, und diesmal entschied Sities selbst zwischen ihnen, indem sie sich unter Sugutas Kinn platzierte, umarmt von Sugutas Rüssel. Dies ärgerte Olare und Ndii, die ihren Frust an kleinen Büschen ausließen, die sie niedermachten, auf dem Weg zu Dida, die schon vorher kapituliert hatte. So wurde Suguta zur Haupt-Ersatzmutter für Sities, aber auch Olare erhob energisch Anspruch auf Sities, die im April 2010 der kleinste Elefant in der Nursery war.

 

Eines Tages im Mai gewann Olare wieder einmal gegen Suguta im Wettbewerb um die kleine Sities. Suguta beobachtete eifersüchtig, wie Sitis an Olares Ohren suckelte, bis ChemiChemi sich von hinten heranschlich und Sities schubste, worauf diese zu schreien anfing. Olare erwischte ihn und schlug ihn zur Strafe hart mit dem Rüssel. Als sich die Gruppe tagsüber teilte, gewann wieder Suguta die Aufsicht über Sities und hatte deren ungeteilte Aufmerksamkeit - solange, bis Olare ihre Taktik, morgens als Erste am Stall von Sities zu sein und dadurch Sities für sich zu "gewinnen", am nächsten Morgen wiederholen würde. Auf diese Weise teilten sich Suguta und Olare das Baby gezwungenermaßen. Mit der Zeit spielte sich das ein, und Olare beaufsichtigte Sities regelmäßig morgens und Suguta nachmittags. Das war ein guter Kompromiß für beide.

Sities selbst bevorzugte Suguta und hing sehr an ihr - manchmal im wahrsten Sinne des Wortes, wenn sie mal wieder an ihrem Ohr suckeln durfte. (6/2010) So wurde Sities richtig verwöhnt. Ab August 2010 machte Sities selbst der Bemutterungsaufteilung zwischen Suguta und Olare ein Ende, indem sie Suguta als ihre Lieblings-Ersatzmutter wählte. Sie verbrachte die meiste Zeit bei ihr und suckelte an ihren Ohren. Wenn Olare sich näherte, gab sie ihr einen Laut des Mißfallens! Sie beklagte sich auch lautstark, wenn sie von Suguta abends getrennt wurde und in ihren Stall geführt wurde.

 

Sities weckte die Eifersucht von Shukuru, wenn sie von deren Lieblingskeeper Mishak Zuwendung oder Milch bekam. Keine einfache Situation für Mishak! Aber mit seiner langjährigen Erfahrung im Umgang mit kleinen Elefanten kam er mit der Situation bestens zurecht. Shukuru war bis jetzt die Kleinste in der Nursery gewesen, aber als Sities ankam, rückte sie an den zweiten Platz der Aufmerksamkeit der Big Girls und der Keeper, und sie brauchte eine Weile, um sich damit abzufinden. Shukuru und Sities blieben eine Zeitlang eifersüchtige Konkurrentinnen.

Im April bekam sie ihre ersten Backenzähne, was für kleine Elefanten immer eine schwierige Zeit ist. Im Mai hatte sie dann erfolgreich ihren ersten Satz Zähne, und sie erholte sich gesundheitlich wieder.

 

Wenn andere Tiere, die den kleinen Elefanten noch unheimlich oder tatsächlich gefährlich sind, in der Nähe waren (Impalas, Löwen, Büffel …) waren Suguta (und öfter auch Tumaren) da, um Sities abzuschirmen. Sities selbst spreizte die Ohren vor Angriffslust. Sie ist voller Mut. Als Sities einmal von Turkwel gestoßen wurde (10/2010), machte das die winzige Sities so zornig, daß sie, als Suguta nah genug war, um ihr Schutz zu geben, Turkwel mehrere Male mit dem Kopf anstieß, bevor sie zu Suguta lief.

 

Der kleine Bulle ChemiChemi war sehr rauh im Umgang mit seinen Elefantenkollegen und stieß alle mit dem Kopf an, die vor ihm waren. Eines Morgens hatte er es auf Sities abgesehen, die sehr nah bei Suguta stand, - und fand sich plötzlich konfrontiert mit der angreifenden Suguta, die ihn in die Flucht trieb!  Ein andermal stieß ChemiChemi Sities bei der Besucherstunde zu Boden und wurde von Kalama, der Chefin der Babygruppe, bestraft, was die Besucher sehr zufriedenstellte.

Es gab auch andere Elefanten, die nicht so sozial waren wie die meisten Big Girls: Zum Beispiel Melia, die ungern mit den Babys zu tun hatte, stieß Sities im Juli 2010 im Schlammbad einmal unwillig um - aber natürlich war sofort Suguta da, die Sities tröstete und beruhigte.

 

 Sities war bei den Nursery Big Girls nicht nur deshalb so beliebt, weil sie anfangs die Kleinste war, sondern weil sie immer gute Laune verbreitete und schon trotz ihres sehr jungen Alters sehr bald begann, Andere zu trösten und aufzuheitern!

 

 Als Kandecha noch um seine Elefantenfamilie trauerte und sich von der Gruppe fernhielt, leistete ihm die kleine Sities Gesellschaft. Auch als Makireti noch dabei war, ihre Verwaisung zu verkraften, lief Sities geschäftig auf sie zu, um sie aufzuheitern. Jeden Tag in der Früh rannte sie glücklich herum und spielte "Angriff" mit weit ausgebreiteten Ohren und eingerolltem Rüssel.

 

Natürlich bekam Sities mit der Zeit weitere soziale Kontakte innerhalb der Elefantengruppe, und Tano war bald ihre beste Freundin (8/2010).

Als Naipoki im Dez. 2010 in der Nursery ankam, bekam sie eine Menge Aufmerksamkeit von den älteren Elefantenkühen, was Sities erst einmal ziemlich eifersüchtig machte, und sie stieß Naipoki immer wieder nieder. Nach dieser Phase verstanden sich diese beiden Elefanten dann sehr gut; sie waren beide sehr schelmisch und verspielt. (3/2011)

 

Anfang Dezember 2010 wurden einige der älteren Waisen, darunter Suguta, an den Elefanten-Transport-LKW gewöhnt. Sities hat das beobachtet und offenbar verstanden, was da vor sich ging und war sehr gedämpft, als sie merkte, daß Suguta, zu der ihr Verhältnis so eng war, bald nicht mehr da sein würde. In der Tat war sie einige Tage nicht ganz so übermütig wie sonst, als Suguta abgereist war, aber Olare war ja da, von der sie mit Liebe überschüttet wurde, und so spielte sie bald wieder vergnügt im Schlammbad und erschreckte mit Genuss die Schulkinder in der Besucherstunde.

 

Auch Murka liebte die kleine Sities sehr, und schützte sie vor den ungezogenen Bullen der Nursery. Später (Mai 2011), als Olare in den Tsavo gebracht worden war, übernahm Mutara die Rolle der Matriarchin und kümmerte sich sehr um Sities und die anderen Kleinen.

Am Morgen des Neujahrstags 2011, als sich die Keeper gegenseitig ein gutes Neues Jahr wünschten, rannte Sities trompetend um die Ställe herum und steckte alle anderen Elefanten damit an. Die Keeper waren sich sicher, daß Sities gespürt hat, daß heute ein besonderer Tag war!

 

Sities war ein liebenswerter und schelmischer Elefant; mit ihrer dränglerischen, verspielten, spaßhaften Art erinnerte sie die Keeper an Lempaute und Wendi. Sie war so verspielt, daß die Keeper sie eines Tages im September aus einer Regenpfütze buchstäblich heraustragen mußten, in der Sities gerade herumrollte, um sie vor dem kühlen Regen und damit vor einer Erkältung oder gar einer Lungenentzündung zu schützen.

 

Sie jagte auch gerne die Eichhörnchen und Warzenschweine herum, aber nachdem ihr einmal ein Eichhörnchen direkt zwischen den Beinen durchlief, war sie so erschrocken, daß sie fürderhin davon Abstand nahm! Kalama lehrte Sities Fangspiele, und sie rannte fröhlich herum, immer mit Sities auf ihren Fersen.

Im Dezember 2011 war sie der frechste Elefant in der Nursery, mit Unmengen überschüssiger Energie und nichts als Unsinn im Kopf.

 

Sehr oft unterhielt sie die Gäste beim Schlammbad in der Besucherstunde (8/2010). Sie schlidderte im Matsch und tollte im Schlammbad so vergnügt herum, daß sie die Besucher mit ihrer guten Laune immer ansteckte. Oder sie lief an dem Seil entlang, das die Besucher von den Elefanten trennt und erschreckte mit Genuß die Schulkinder, die oft zu Besuch waren.

 

Eines Tages hatte die Gruppe beim Schlammbad gerade viel Spaß, als ihnen die Show von Baby Sities gestohlen wurde. Sie lief am Seil entlang hin und her, wobei sie ganz professionell einen Fußball vor sich herkickte, den Ball dabei aber mehrfach verfehlte und dann Hals über Kopf hinfiel! Nachdem die Gruppe wieder im Busch war, brauchte Sities dann ein kleines Nickerchen in der Nähe der Keeper, ganz erschöpft von ihrem übermütigen Spiel!

Ihre schelmische Art wurde in der Nursery zur Legende. Nicht nur, daß sie, gemeinsam mit Kainuk und Naipoki, immer zur Unterhaltung der Besucher am Seil auf und ab lief (Okt. 2011), die Besucher mit ausgebreiteten Ohren bedrohte (worauf diese zu kreischen anfingen), - sie entwickelte auch eine Art, die Besucher mit Schlamm zu bespritzen oder in die hinter dem Seil stehenden Besucher direkt hineinzurennen. Das gab jedesmal einen allgemeinen Schreckensschrei und Verwirrung bei den Besuchern, was Sities unheimlich gefiel! In einer Besucherstunde im Dezember 2011 rannte sie sogar gleich zweimal in die Besucher hinein, - so schnell konnten die Keeper gar nicht eingreifen! Am liebsten hatte sie es, wenn sie bei ihren überraschenden Aktionen die Besucher mit Schlamm vollschmierte. Dazu ging sie auch wiederholt zum Schlammloch zurück, um immer wieder frischen Schlamm mitzubringen! Die Menge jubelte ihr zu, was sie sehr glücklich machte! Sities hatte wenig Respekt vor neuen Keepern. Wenn sie von ihnen geschimpft wurde, weil sie wieder einmal Besucher mit Schlamm vollgeschmiert hatte, reagierte sie darauf überhaupt nicht. An einem Tag im Oktober 2012 bespritzten Kainuk und Sities die Besucher mit den Vorderfüßen mit Schlamm, so daß die Besucher zurückweichen mußten. Die beiden rannten dann trompetend und mit ausgebreiteten Ohren triumphierend am Seil entlang und genossen das Gefühl ihrer Überlegenheit.

 

Im Februar 2011 unterhielten die beiden Freundinnen Sities und Naipoki die Besucher beim Schlammbad, indem sie am Seil entlangliefen und dabei einen Fußball vor sich herkickten. Plötzlich fiel Naipoki hin (wie es Sities früher selbst passiert war), schrie, und schon war Sities an ihrer Seite und half ihr auf, in dem sie ihr den Vorderfuß als Stütze hinstellte und sich niederkniete und mit ihrem Kopf Naipoki aufzuheben half. Das Publikum jubelte und klatschte, was Sities wieder mal zum Übermut anstachelte. Sie rannte in die Besucher hinein und rempelte sie an, was völlige Verwirrung unter ihnen stiftete! So ist Sities - ein hilfreicher Engel und ein übermütiger Racker!

Sities und Naipoki waren die Fußball-Stars der Nursery im Febr. 2012.

 

Vielleicht, weil Naipoki ein wenig jünger war als Sities, entwickelten sich bei Sities früh Muttergefühle. Sie bemutterte und beschützte Naipoki, oft auch zusammen mit Mutara und anderen Elefanten. Sie zeigte ihre ersten ernsthaften Leitkuh-Fähigkeiten u.a. im Juli 2011, indem sie Mutara und Shukuru mit den kleinen Babies half. Sie behielt aber trotzdem immer eine besondere Neigung zu Naipoki.

 

Ab März 2011 standen sie sich so nah, daß sie quasi unzertrennlich waren. Sie und Naipoki waren wie eine kleine Clique, die alles gemeinsam machten - Warzenschweine herumjagen, fressen, Fußball spielen, Besucher erschrecken… Sogar nachts mußten sie benachbarte Ställe haben, und dann legten sie sich so nah aneinander wie möglich an die Trennplanken zum Schlafen.

Sities schläft
Sities liegt ganz nah bei Naipoki, die hinter dem Zaun schläft (12/2011)

Als Kithaka im November 2011 als fast Neugeborenes in der Nursery ankam, versuchten Sities und Naipoki oft, ihn für sich zu haben, um ihn bemuttern zu können. Sie hatten es dabei nicht leicht, weil auch die älteren Nursery-Girls Kithaka unbedingt unter ihren Schutz kriegen wollten. Später wurde Sities dann eine der 3 speziellen "Mütter" für Kithaka, so sehr liebte sie den Kleinen.

 

Kainuk war diejenige in der Nursery-Gruppe, mit der Sities oft Krach hatte. Vielleicht, weil Kainuk ebenfalls ein ziemlich frecher Elefant war. Eigentlich waren sich die beiden recht ähnlich. Sie stritten und kämpften oft. Es schien, als hätten sie einen uralten Streit beizulegen, was aber nie ganz gelang. Als Sities Kainuk im Okt. 2011 wieder mal stieß, bekam sie sogar zur Strafe eine Auszeit aus der Gruppe.

 

Einig waren sich die beiden nur, wenn es um ihre Eifersucht auf die neuangekommende, noch schwache Ishaq-B ging, weil sie von Turkwel besonders gehätschelt wurde. Bei einer dieser Gelegenheiten stieß Sities Ishaq-B zu Boden, so daß diese zu schreien anfing, und Kainuk blockte zugleich Turkwel den Zugang zu Ishaq-B. Die Keeper mußten einschreiten, um die Ordnung wieder herzustellen. (11/2011)

 

Nächtlicher Regen, der im November 2011 oft niederging, beunruhigte besonders Sities, aber auch Kainuk, und so hatten sie und ihre Stallnachbarn mehrere schlaflose Nächte.

Sities mütterliche Tendenzen zeigten sich, trotz all ihres jugendlichen Überschwangs, auch im Januar 2012, als Lemek Neuankömmling in der Nursery war. Sie wartete vor seinem Stall lange Zeit, bis er herausgelassen wurde und kollerte ihm dabei beruhigend zu. Und als Sonje mit ihrem kranken Bein im Febr. 2012 in der Nursery ankam, kümmerte sie sich gemeinsam mit Ishaq-B und Naipoki um sie. Alle Neuankömmlinge wurden von Sities willkommen geheißen und bekamen viel Zuwendung von ihr.

 

Zu dem Winzling Kinango kniete sie sich sogar nieder, damit er an ihren Zitzen saugen konnte, was kleine Elefanten genauso tröstet wie ein Schnuller Menschenkinder beruhigt.

 

Sie selbst gehörte zwar immer noch zu den Jüngeren, die von den "Big Girls" (Makireti, Mutara, Shukuru, Turkwel) besonders geliebt werden (3/2012), aber im April 2012 bemühte sie sich ihrerseits, Balguda zu bemuttern. Naipoki blockte sie dabei, weil sie selbst Balguda bemuttern wollte (4/2012).

 

Ebenfalls im April 2012 hatte Sities eine eitrige Beule an der Wange, die platzte und gottseidank wieder heilte.

Im Juli 2012 war Sities bereits eine Nursery-Matriarchin wie Mutara, allerdings nur für die jüngere Gruppe. Als Nyika im Aug. 2012 um seine Elefantenfamilie trauerte, leisteten Sities und Naipoki ihm zum Trost immer Gesellschaft. Und als Rukinga neu in der Nursery ankam (9/2012), kümmerten die beiden (besonders Sities) sich ebenfalls um ihn. Als Faraja am 25.10.2012 am Rande des Schlammbads stand und Sities darin zusah, bespritzte ihn Sities verlockend mit dem Rüssel, was ihn veranlaßte, auch ins Schlammbad zu kommen. Sities bespritzte ihn dann weiterhin vollständig mit Schlamm, der seine Haut gegen Sonne und Ungeziefer schützt, genau, wie es eine Mutter getan hätte.

 

Ende Januar 2013, als die bisherige Nursery-Matriarchin, Mutara, in den Tsavo gebracht worden war, konkurrierten Turwel und Sities um die Leitung der Nursery Gruppe, wobei Turkwel es schwerer hatte, da sie von ihrer jüngeren Freundin Kainuk gehindert wurde, die ständig ihre Aufmerksamkeit beanspruchte.  Sities gehörte in der Zwischenzeit längst schon zu den älteren Nursery Girls und ließ z.B. Babies an ihren Ohren saugen, so wie sie es selbst bei Größeren früher getan hatte. Sities ging in ihrer Aufgabe als Matriarchin auf und kümmerte sich sehr um die ganze Gruppe. Sie war mit ihrer neuen Aufgabe schwer beschäftigt und ständig dabei, Kranke und Schwache zu bemuttern, Kämpfende zu trennen und überhaupt für Ordnung in der Gruppe zu sorgen.

Bei der Aufgabe half ihr öfter Naipoki, jedoch wurde Sities Beziehung zu Naipoki lockerer, da diese sich ja jetzt mit der ganzen Gruppe und den vielen, vielen Neuankömmlingen beschäftigen mußte.

Ab Ende März 2013 wurde Sities gemeinsam mit Turkwel und Kainuk an den Elefantentransport-LKW gewöhnt, da sie bald in den Tsavo gebracht werden sollten. Turkwel und Kainuk gingen ohne zu Zögern in den LKW, aber Sities war anfangs widerspenstig. Erst nach ein paar Tagen, als sie gesehen hatte, daß auch andere Nursery-Elefanten ganz unbefangen den LKW inspizierten, ging sie ebenfalls hinein.

 

Am 3. April 2013 war es dann soweit: Es war der Tag des Umzugs in den Tsavo Nationalpark, in die Auswilderungsstation Ithumba für Sities, Turkwel und Kainuk. An ihrem letzten frühen Morgen in der Nursery in Nairobi gingen alle drei ohne zu Zögern in den LKW, und um 11 Uhr kamen sie schon in Ithumba an. Dort warteten schon ihre früheren Nursery-Freunde Mutara, Kilabasi, Kanjoro, Kalama, Murka und Kasigau und viele mehr auf sie. Sie erkannten sich sofort wieder und begrüßten sich voll Freude mit viel Lärm und Elefantenumarmungen per Rüssel. Die drei Neuankömmlinge folgten dann Mutara (ihrer früheren Matriarchin) überallhin und fanden sich in ihrer Umgebung schnell ein, besonders, weil sie ja alte Bekannte wiedergetroffen hatten und sich mit ihnen sicher fühlten. Am gleichen abend kamen alle bereits ausgewilderten Waisen zu den Stockades und waren sehr neugierig auf die Neuen aus Nairobi.

 

Der Umzug von Sities nach Ithumba wurde von dem gleichen Filmteam festgehalten, das schon vor 3 Jahren ihre Rettung gefilmt hatte. In den Filmdokumentationen "For the Love of Elephants" und "How to be a Wild Elephant" spielt Sities die Hauptrolle.

Am nächsten Tag kamen die Ex-Waisen wieder und brachten auch einige wilde Freunde mit, was die erste Begegnung mit wilden Elefanten in der neuen Umgebung für die 3 Neuankömmlinge bedeutete. Es war ein aufregender Beginn ihres neuen Lebensabschnitts, doch die drei fügten sich erstaunlich schnell in ihre neuen Lebensumstände ein. Das Wetter half dabei, indem es nicht allzu heiss war, und so mochten die Elefanten in den ersten Tagen gar nicht ins Schlammbad gehen, weil es zu kühl dafür war. Sities ging immerhin in den flachen Teil hinein, um ihre Füße ein bißchen abzukühlen. Später wurde es für sie üblich, so oft wie möglich das Schlammbad zu genießen, auch an Tagen, an denen es den anderen zu kühl war.

 

Währenddessen hatte Naipoki in der Nursery eine schwierige Zeit, da beide potentielle Führerinnen, Turkwel und Sities, nun weg waren. Sie wollte gern als nächste den Matriarchinnenposten übernehmen, hatte aber starke Konkurrenz von Kihari, Sonje und Ishaq-B. Immer, wenn sie die Nursery-Babys für sich haben wollte, kamen die anderen 3 daher und nahmen sie ihr wieder weg. Im November 2013 wurde Naipoki dann zusammen mit Kihari und Ishaq-B in die Auswilderungsstation Voi gebracht und begann dort ihren eigenen neuen Lebensabschnitt.

 

Sehr bald kannte sich Sities in ihrer neuen Umgebung gut aus und übernahm häufig die Führung der Gruppe, wenn es tagsüber von einer Wanderstation zu nächsten ging.

 

Eines Tages im August 2013 gelang es einigen Ex-Waisen, Sities und 7 andere keeperabhängige Waisen zu entführen, so daß sie das übliche Schlammbad und ihre Milch versäumten. Am Nachmittag brachten die Ex-Waisen die Kleinen von ihrem Ausflug jedoch brav wieder zurück zur restlichen Gruppe und damit in die Obhut der Keeper.

 

Im Oktober 2013 begann Suguta, eine Gruppe der älteren Waisen tagsüber alleine durch den Busch zu führen und erst abends bei den Stockades wieder aufzutauchen. Sities als eine der Jüngsten blieb aber, gemeinsam mit Mutara, Shukuru, Kilabasi, Turkwel, Kainuk und anderen in der keeperabhängigen Gruppe, die tagsüber mit den Keepern den Busch durchstreift und auch noch regelmäßig ihre Milch bekommt. Mutara war die Matriarchin dieser Gruppe, aber auch Sities führte die Gruppe oft an und sorgte für Ordnung.

 

Am 19.11.2013 waren die inzwischen neu angekommenen Waisen Narok und Laragai sehr nervös und liefen dauernd voraus. Eine Gruppe der anderen Waisen, darunter auch Sities und ihre ehemalige Feindin Kainuk, folgte ihnen - und dann verirrten sich diese jungen Elefanten prompt im Busch. Die Keeper leiteten zwar sofort eine Suche ein, aber sie blieb bis zum Abend erfolglos. Auch am nächsten Tag suchten sie vergebens. Erst am 4. Tag ihrer Abwesenheit wurden sich von einem Flugzeug des Trusts aus in der Nähe des Zauns gesichtet und konnten dann dort von den Keepern abgeholt werden. Die Waisen waren offensichtlich erleichtert, als sie die Keeper sahen und rannten sofort auf sie zu, um sie zu begrüßen. Durch Regen und Sturm führten die ebenfalls sehr erleichterten Keeper die Waisen wieder zurück zu den Stockades.


Im September 2015 konnte man Sities von den anderen Waisenelefanten leicht daran unterscheiden, dass bei ihr nur ein einziger kurzer Stoßzahn sichtbar ist, und zwar der rechte.


Sities ist immer noch ein Frechdachs, und ihr Liebling ist Garzi. Sie kümmert sich ausschließlich um ihn und versucht ihn immer zu beschützen. Sie verbringt viel Zeit mit ihm.


Es ist klar, daß Sities als einer der jüngeren Elefanten in Ithumba noch viel zu lernen hat, bis sie in der Wildnis gänzlich klarkommt, aber sie wird zweifellos im Laufe der kommenden Jahre die erforderlichen Fähigkeiten von den Keepern, den älteren Waisen, den Ex-Waisen und den wilden Elefanten lernen.


Stand: Sept. 2015

 - Birgit Hampl -

 

 

Sities Kennzeichen:

 

Stirn Sities
Das Muster auf ihrer Stirn: Eine Kombination aus einem X und einem Trapez
Ziemlich runder, kurzer Kopf
Ziemlich runder, kurzer Kopf


Sities Haut
Die Falten auf ihrer linken Bauchseite erinnern an Flammen
Sities im Sept. 2015 (nur 1 Stoßzahn sichtbar - rechts.)
Sities im Sept. 2015 (nur 1 Stoßzahn sichtbar - rechts.)
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Sities_Geschichte_Stand_9_2015.pdf
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