Kainuks Geschichte

- Kainuk, die nette Klette -

Kainuk
Kainuk beim Schlammbad

Name:                   KAINUK

 

Geschlecht:       w

 

Geboren:            Anfang Juli 2010

 

Gerettet:            21.2.2011

                                  (d.h. im Alter von

                                  ca. 8 Monaten)

 

Lebt jetzt wo:    Ithumba, Tsavo East

                                   Nationalpark

 

Ein Angehöriger eines lokalen Stamms entdeckte das Elefantenkalb im South Turkana National Reserve am Mittag des 21. Februar 2011 ganz in der Nähe seiner wohl kurz vorher verstorbenen Mutter. Der Körper der großen Elefantenkuh war noch warm und ihre Stoßzähne in situ. Nachdem man auch keine Schußwunden gefunden hatte, wird vermutet, daß sie ein Opfer der Dürre geworden ist. Auch das Kalb, das weiblich und ungefähr 8 Monate alt war, war sehr dürr und hatte sehr eingefallene Wangen, so daß man davon ausgehen mußte, daß es bereits seit längerer Zeit nicht mehr genug Milch bekommen hatte. Vermutlich war es der Mutter gesundheitlich so schlecht gegangen, daß sie nicht mehr genug Milch für ihr Kalb produzieren konnte.

 

Der Stammesangehörige meldete den Fund des toten Elefanten und des verwaisten Kalbs dem Sicherheitsleiter und dem Hauptaufseher des Mt. Elgon Nationalparks, der die Rettung des Elefantenkalbs initiierte und das Elfenbein der Mutter sicherstellte. Das Kalb wurde ins Hauptquartier des Mt. Elgon Nationalpark gebracht, wo es die folgende Nacht verbrachte und nur Wasser bekam. (Der Parkaufseher war gewarnt worden, keine Kuhmilch an den kleinen Elefanten zu füttern, da Elefanten sie überhaupt nicht vertragen.) Am nächsten Morgen wurde das Elefantenkalb in die Nursery in Nairobi geflogen und nach dem Ort, wo sie gefunden wurde, "Kainuk" benannt.

 

Kainuk hatte sehr viel Glück, von einem elefantenfreundlichen Menschen gefunden worden zu sein, da die Gegend ansonsten besiedelt ist vom kriegerischen Pokot-Stamm, der bekannt ist für Wilderei und der viele illegale Waffen besitzt. In dieser Gegend gibt es nur noch wenige Elefanten, und nur zwei weitere Waisen des Trusts stammen von dort: Turkwel und Nasalot.

 

Bei der Ankunft in der Nursery in Nairobi nahm Kainuk gleich Milch und Wasser an, hatte aber noch genug Kraft, um die Keeper hinterher ganz schön herumzujagen. Sie schlief dann vor Erschöpfung ruhig, aber nicht, ohne alle 3 Stunden aufzuwachen und von den Keepern ihre Milch zu bekommen und sie anschließend jedesmal wieder herumzujagen. Sie war noch gestreßt und wild und verstand noch nicht richtig, daß die Keeper ihr nur helfen wollten.

 

Gegen Morgen wurde sie dann ruhiger, insbesondere, als die anderen Nursery-Elefanten zu ihrem Stall gebracht wurden, um ihr vorgestellt zu werden und um sie wissen zu lassen, daß sie nicht allein war. Sie war so gierig, ihnen zu folgen, daß man es ihr also schon an ihrem ersten Tag erlaubte, mit der Waisenherde durch den Nairobi Nationalpark zu streifen, und sie bekam ein warmes Willkommen von allen älteren weiblichen Tieren, speziell von der Nursery Matriarchin Olare, die sie mit Zuneigung überschüttete und den ganzen Tag nah bei ihr blieb. Sogar beim mittäglichen Schlammbad war sie schon dabei, das immer umringt ist von menschlichen Zuschauern, und das ist ziemlich bemerkenswert für einen Elefanten, der zwei Tage vorher noch ein wilder Elefant war.

 

Abends im Stall benahm Kainuk sich jedoch wieder sehr verstört, so daß man Turkwel, ein knapp 2 Jahre altes Elefantenmädchen, zu ihr in den Stall brachte, wodurch sich Kainuk sofort beruhigte. Turkwel wurde später dann die engste Freundin von Kainuk, und sie sind heutzutage völlig unzertrennlich. Vielleicht hat die Tatsache damit zu tun, daß beide Tiere aus der gleichen Gegend stammen und sich eventuell von früher kennen.

 

Ganz am Anfang kümmerten sich speziell Olare und Murka um Kainuk, aber ein paar Monate später kristallisierte sich immer mehr ihre schon erwähnte starke Freundschaft mit Turkwel heraus.

 

Kainuk hatte das Drama ihrer Verwaisung noch nicht überwunden, und bei ihr machte sich das durch eine gewisse Aggressivität bemerkbar.

 

Im Juni 2011 reagierte sie zum Beispiel seltsam, indem sie des öfteren nicht ihre eigene Milch wollte, sondern die von anderen und sogar begann, ihre Freundin Turkwel zu stoßen.

 

Als im November 2011 Ishaq-B als neue Waise in der Nursery eintraf, wurde sie von allen anderen Elefanten verwöhnt, nur von Kainuk nicht, die wohl auf die viele Zuwendung eifersüchtig war. Auch als Turkwel sich später mehr auch um andere kleine Neuankömmlinge kümmerte, wurde Kainuk eifersüchtig.

 

Mit Sities, die ebenfalls ein recht frecher Elefant ist, lag Kainuk im Lauf des Jahres 2011 häufig im Clinch. Beide bekamen schon Verweise aus der Herde von den Mini-Matriarchinnen verpaßt, als sie sich gegenseitig niederstießen. Normalerweise ist Kainuk auch ein Liebling von Shukuru (wie auch von allen älteren Nursery-Mädchen), aber auch Shukuru gab ihr bereits einmal einen Verweis, als Kainuk sich zu rabaukenhaft benahm.

 

Kainuk suchte immer wieder einen Partner für "Pushing Games", also Drück- und Schiebespiele. Während der Besucherstunden im Oktober 2011 trug sie, gemeinsam mit Naipoki und Sities, zur Unterhaltung der Besucher bei, indem sie immer am Seil entlang auf- und ablief. Kainuk spielt überhaupt gern mit Naipoki und legt sich hin, damit Naipoki auf sie draufklettern kann.

 

Im August 2011 hatte Kainuk sich das rechte Auge verletzt (wahrscheinlich im Busch an einem Ast), was einige Monate lang Sorgen bereitete. Sie wurde immer wieder behandelt, und anfangs befürchetete man, daß sie mit diesem Auge nie wieder gut sehen können würde, aber glücklicherweise ist es doch wieder komplett geheilt.

 

Nachdem sie ihre mütterliche Freundin Turkwel immer häufiger mit anderen Neulingen teilen mußte, wurde Kainuk langsam selbst etwas mütterlicher und kümmerte sich z.B. im Januar 2012 besonders um den kleinen Kithaka. Einmal disziplinierte sie selbst sogar Ishaq-B, als diese Orwa wieder so geärgert hat.

 

Seit ca. Anfang des Jahres 2012 wirkte Kainuk langsam glücklicher und verspielter. Sie war immer eine der aktivsten Elefanten im Schlammbad und machte sich ab und zu einen Spaß daraus, auch die (menschlichen) Schlammbadbesucher mit Wasser und Schlamm vollzuspritzen.

 

Kihari und Kainuk sind ungefähr im gleichen Alter und sind Rivalinnen, oft in Kämpfe verwickelt. Im April 2012 war Kainuk so aggressiv gegenüber Kihari, daß Naipoki Kihari zuhilfe kam und sie Kainuk gemeinsam wegscheuchten.

 

Kainuk war sehr gierig auf ihre Milch, rannte immer trompetend allen vorweg, um möglichst schnell ranzukommen. Und immer wenn Turwel sie schreien hörte, kam auch sie angerannt, um ihr gegebenenfalls zur Seite zu stehen.

 

Als die Waisen im Mai 2012 wieder einmal hintereinander durch den Busch gingen und Blätter knabberten, ging Kainuk ungewöhnlicherweise neben Mutara am Ende der Schlange her, obwohl Turkwel sich an der Spitze der Gruppe befand. Ganz offenbar hatte Kainuk Mutara mit Turkwel verwechselt, und als sie plötzlich ihren Irrtum bemerkte, setzte sie sofort zu einem Spurt zu Turkwel an. Ishanga, die Freche, stellte sich ihr in den Weg, um sie zu ärgern, so daß Kainuk zu schreien begann. Sofort drehte Turkwel um, um Kainuk zuhilfe zu kommen, und ein Kampf entspann sich. Turkwel ist normalerweise ein sehr höflicher, sanfter Elefant, aber zum Schutz von ihrem Liebling Kainuk kann sie auch aggressiv werden und hatte offenbar die Geduld mit Ishanga, die häufig den Gruppenfrieden stört, verloren. Erst Mutara als Matriarchin der Nursery-Herde konnte den Streit schlichten.

 

Am 9. Juni 2012 mußte Kainuk das erste Mal einen Tag ohne Turkwel verbringen, da sich Turkwel einen Fuß verstaucht hatte und nicht mit der Herde in den Busch gehen konnte. Kainuk schien das aber erstaunlicherweise zu verstehen und beschwerte sich nicht.

 

Turwel und Kainuk teilten sich seit April 2012 einen Stall, und es ist sicher, daß sie, wenn Kainuk reif ist für die "Beförderung" in eine der Auswilderungsstationen im Tsavo East Nationalpark, nur gemeinsam dorthin überführt werden können.

 

Kainuk war eine der verspieltesten Waisen in der Nursery, sie war immer sehr aktiv beim Schlammbad und sie ist eine gute Fußballspielerin, sie konnte den Ball sowohl mit ihren Vorder- als auch mit ihren Hinterfüßen stoßen. Auch wenn es darum ging, freche Paviane zu vertreiben, war Kainuk immer vorne dabei.

 

Desweiteren war sie, gemeinsam mit anderen weiblichen, etwas älteren Tieren, immer sofort da, wenn Neuankömmlinge ein Willkommen oder einen Trost brauchten. Narok und Lemoyian waren, als diese Neuankömmlinge waren, sofort unter ihrem Schutz. Kainuk liebte Lemoyian ganz besonders.

 

Ende Oktober 2012 begann das Training für Mutara, Shukuru und Kilabasi, sich an den Elefanten-LKW zu gewöhnen, mit dem sie nach kurzer Zeit in eine Auswilderungsstation im Tsavo East gebracht werden sollten. Turkwel und Kainuk gingen dabei so selbstverständlich mit, als ob sie selbst diejenigen wären, die nach Tsavo transportiert werden sollten.

 

Nachdem Mutara und Shukuru nach Ithumba gebracht worden waren, die bisher die Matriarchinnen der Nursery waren, gab es eine gewisse Konkurrenz zwischen Sities und Turkwel um die Führung der Nurserywaisen. Turwel hatte jedoch Probleme zu gewinnen, weil sie so von Kainuk in Beschlag genommen wurde. Kainuk nahm Turkwel ihre Beschäftigung mit anderen kleinen Elefanten übel; sie war eifersüchtig.

 

Turkwel wollte sich gern um Lemoyian, Barsilinga, Kithaka und Ngasha kümmern, aber Kainuk akzeptierte nur Kithaka bei Turkwel und stieß die anderen weg. Die anderen Kleinen wurden dann gleich von Sities in Schutz genommen. (E. Jan. 2013)

 

Am 5. Februar 2013 schlich sich Turkwel, von Kainuk unbemerkt, davon, um sich Sities beim Babysitten von Kithaka, Ngasah, Balguda und Lemoyian anzuschließen. Sobald Kainuk bemerkte, daß Turkwel nicht in ihrer Nähe war, begann sie zu schreien und suchte den Busch nach ihr ab. Turkwel, die ihre Nähe zu den Babies genoss, antwortete aber nicht. Schließlich fand Kainuk sie, voller Groll, daß Turkwel die Babies bevorzugt hatte.

 

Mitte März 2013 konnte Kainuk eine frühere Freundin wieder begrüßen: Tano kam von Ithumba wieder zurück in die Nursery, weil sie sich in Ithumba gesundheitlich nicht wohlgefühlt hatte. Sie wurde von ihren alten Bekannten, darunter Kainuk, liebevoll begrüßt.

 

Kurz danach begann auch für Turkwel, Kainuk und Sities die Gewöhnung an den Elefanten-LKW, da sie nun selbst bald in die Ithumba Auswilderungsstation gebracht werden sollten. Turwel und Kainuk gingen ohne zu zögern in den LKW, während Sities mißtrauischer war und länger brauchte, sich an die fremde Örtlichkeit zu gewöhnen.

 

Am 3. April 2013 war es dann soweit: Turkwel, Kainuk und Sities wurden in den frühen Morgenstunden in diesem LKW nach Ithumba gebracht. Alle drei gingen ohne zu zögern in den Laderaum mit den separaten Ställen, und es begann eine problemlose Fahrt in ihre neue Heimat. Um 11 Uhr vormittags erreichten sie die Auswilderungsstation in Ithumba, wo die Keeper mit einigen der Waisen, die die Neuankömmlinge noch aus der Nursery kannten, schon auf sie warteten. Die Elefanten erkannten sich sofort wieder, und die Begrüßung war laut und ekstatisch. Danach liefen die drei Neuen Mutara (ihrer früheren Matriarchin) überall hinterher und fühlten sich sofort in ihrer neuen Umgebung wohl, da sie wußten, alte Freunde um sich zu haben. Am Abend erschienen auch die Ex-Waisen, so daß Turkwel, Kainuk und Sities sofort auch Bekanntschaft mit ihnen schlossen, da diese auch wiederum sehr interessiert an den Neuen waren.

 

In den nächsten Tagen zeigten sich die Drei sehr anpassungsfähig und folgten den anderen Waisen überallhin. Die Ex-Waisen verbrachten viel Zeit mit den Neuen, um sie kennenzulernen. Es waren sicher aufregende Tage für die drei Kleinen. (Denn in der Auswilderungsstation, wo so viele ältere Elefanten sind, gehören sie jetzt wieder zu den Kleinsten.)

 

Auch in Ithumba fiel den Keepern auf , wie sehr Kainuk Turkwels "Schatten" ist. Sie hält sich immer an ihrer Seite auf und beobachtet jede ihrer Bewegungen. Wenn sie sie zwischendurch doch einmal verliert, schreit sie laut, bis sie sie wieder findet. Um jede Störung zu vermeiden, sorgen die Keeper dafür, daß diese 2 Elefanten immer zusammen sind!

 

Im Laufe ihrer Zeit in Ithumba lernte Kainuk nun auch die alten wilden Freunde unserer Waisen kennen: Rafiki, Mshale und andere wilde Bullen. Sie ist nicht mehr zu scheu, mit ihnen zusammen aus einem Brunnen zu trinken.

 

Im Oktober begann eine Gruppe um Suguta, sich mehr und mehr von den milchabhängigen Waisen abzusetzen und tagsüber ihre eigenen Wege zu gehen. Turwel und Kainuk blieben aber noch in der Gruppe, die den Keepern folgt.

 

Am 19.11.2013 folgten Kainuk, Turkwel, Sities, Mutara und Kilabasi den zwei Waisen Narok und Laragai, die an diesen Tagen irgendwie nervös waren und dauernd vorausliefen - und sie verirrten sich dann offensichtlich. Die Keeper leiteten zwar sofort eine Suche ein, aber sie blieb bis zum Abend erfolglos. Auch am nächsten Tag suchten sie vergebens. Erst am 4. Tag ihrer Abwesenheit wurden sich von einem Flugzeug des Trusts aus in der Nähe des Zauns gesichtet und konnten dann von dort von den Keepern abgeholt werden. Die Waisen waren offensichtlich erleichtert, als sie die Keeper sahen und rannten sofort auf sie zu, um sie zu begrüßen. Durch Regen und Sturm führten die ebenfalls sehr erleichterten Keeper die Waisen wieder zurück zu den Stockades.

 

Dies waren also Kainuks erste Nächte draußen in der Wildnis. Man kann davon ausgehen, daß sie sicherlich Angst dabei hatte (wie die anderen auch), aber daß es andererseits eine nützliche Erfahrung war, die ihr später helfen wird, wenn sie sich freiwillig für das wilde Leben entscheidet. Vorläufig wird sie aber noch abends in die Stockades zurückkehren und tagsüber den Keepern folgen.

 

Stand: Jan. 2014

 

Kainuks Stirn

 

Kainuks Kennzeichen:

 

Ihre Stirnfalten

 

(Dies ist Stand 8/2012. Die Falten mögen sich im Lauf der Jahre etwas verändern.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

- Birgit Hampl -

 (2/2014)

 

 

Hier können Sie die Geschichte von Kainuk downloaden
Kainuks_Geschichte_Stand_1_2014.pdf
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